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St. Marienkirche

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St. Marienkirche

Die St. Marienkirche wurde in sechs verschiedene Bauzeiten erbaut und ist ein weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekanntes Kunstdenkmal.

Die erste Bauperiode fiel in die Zeit von 1235-1250. Aus dieser sind nur noch geringe Reste im jetzigen Bauwerk sichtbar, die jedoch erkennen lassen, daß dieser Erstbau ein dreischiffiger Hallenbau mit drei Satteldächern (Kreuzkirche) war und bedeutend kürzer angelegt wurde.

Grundriß

Die zweite Bauperiode fand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts statt und diente hauptsächlich der Schaffung des Turmunterbaues bis Feldsteinhöhe.



Die dritte Bauperiode brachte 1325 infolge beengter Raumverhältnisse den Abbruch des größten Teils des vorhandenen Kirchenschiffes mit sich. Ein dreischiffiger Neubau von 1325 bis 1340 in gotischem Stil mit Erweiterung des Turmunterbaues wurde zu großen Teilen durchgeführt, kam aber noch nicht zur endgültigen Vollendung. In dieser Zeit entstand auch der nur einmalig in Deutschland vorhandene, ganz aus Backstein gefertigte Ostgiebel.

Die vierte Bauperiode schuf insbesondere die Verbindung zwischen Ost- und Westteil der Kirche mit dem Aufbau der beiden Treppentürmchen, die zum Dachrinnenaufgang führen. Das Portal auf der Südseite nahe dem Turm und das zur Marienkirchstraße führende Portal ohne Vorhalle, wurden damals geschaffen. Ferner entstand zu dieser Zeit der Südanbau im vierten Joch dicht an der Margarethenkapelle. Die reichere Ausstattung der Südseite durch Anlage mehrerer Anbauten und Portale sowie durch lebhaftere Färbung der Glasuren im Gegensatz zur Nordseite läßt erkennen, daß man von Anfang an mit einer freien Lage der Kirche zur Wittstraße hin rechnete.

Die fünften Bauperiode um etwa 1412 fiel dem Bau der Nordvorhalle, der vollständig von dem bisher beibehaltenen Baustil abwich, zu. An der Südseite errichtete man um das Jahr 1500 vor dem dritten Joch in der Nähe des Treppentürmchens die Totengräberwohnung, das sogenannte „Gotteskastenhaus“, die 1845 einstürzte und restlos entfernt wurde. Im Jahre 1567 erbaute Fabian Petersen eine Orgel für die St. Marienkirche.

Die sechste Bauperiode brachte den Ausbau der beiden Türme mit ihren schlanken Spitzen zur Vollendung. Diese Türme endeten noch in hohen hölzernen Achteckhelmen, die je vier Eckspitzen hatten. Die obersten Geschosse der Türme waren durch eine frei schwebende und gedeckte Holzbrücke miteinander verbunden, wie es auf dem Merian-Kupferstich erkennbar ist. Während nun die Nordturmspitze nach dem Brande von 1638 durch ein einfaches Satteldach ersetzt wurde, deckte man die des Südturms 1596 in Kupfer und Blei um. Nach mehrfachen Zerstörungen durch Blitzschläge mußte dann auch diese Spitze 1738 abgebrochen werden. Der Turm wurde mit einer flachen, vorläufigen Bretterabdeckung versehen.



Dieser für damalige Zeiten gewaltige Kirchenbau erforderte im Verlaufe der Jahrhunderte verschiedene umfangreiche Reparaturen. So wurden 1606 die nördliche und 1607 die südliche Dachseite des Schiffes durch den Maurermeister Hans Blühedorn aus Prenzlau neu gedeckt.

Die gesamte Innenarchitektur erhielt 1710 einen weißen Farbüberzug und eine durchgreifende Erneuerung der Kirche. Der Umbau des Innenraumes erfolgte in den Jahren 1845-1846 unter dem Oberbürgermeister Grabow. Die aus dem Mittelalter stammenden Holzemporen, Chorstühle, Chorschranken und Sitzbänke wurden entfernt, wobei leider ein Teil der geschichtlich wertvollen Handwerkskunst verloren ging. Die Vorhalle unter den Türmen erhielten einen Glasabschluß zum Kirchenschiff hin und die im Turmbau über dem Hauptportal bisher vermauerte Rose wurde freigelegt und verglast. In dieser Zeit entstand auch die Orgelempore. Das Portal am Westende der Südseite und das der Margarethenkapelle wurden zugemauert und die Reste der gerade eingestürzten Totengräberwohnung entfernt. Eine zweite größere Renovierung, diesmal mit dem Hauptgewicht auf die äußere Architektur, fand von 1878 bis 1887 statt, bei der auch das Innere der Margarethenkapelle sorgfältigste Berücksichtigung fand.

Von kleineren Reparaturen, von denen nur einige wegen der Fülle herausgegriffen werden, seien erwähnt: Die Reparatur der am Südturm befindlichen Sonnenuhr in der Zeit vom 3.4. bis 8.4.1667 und die der Verbindungsbrücke zwischen den beiden Türmen im Jahre 1726.

Der zwischen den Türmen der Kirche tief in den Unterbau reichende und zollbreite Riß wurde Anfangs 1800 bereits schon einmal zugemauert, trat jedoch wieder nach 1862 hervor. Im Jahr 1862 wurde die neue große Glocke im Nordturm verbaut. Sechs Mann waren nötig, nur um sie "in Schwung zu bringen". Sie hatte einen äußeren Durchmesser von 2,27 m. Die Wandung an die der Klöppel schlug war 17 cm dick und ihr Gewicht betrug 131 Zentner. Der zum Anschlagen dienende Knopf im Klöppel war 28 cm dick. Ihr Ton war auf "F" gestimmt. Die Inschrift auf der einen Seite lautete: Psalm 100, B. 1, 2 und 4;

"Jauchzet dem Herrn, alle Welt!
Dienet dem Herrn mit Freuden,
Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
Gehet zu seinen Toren ein mit Danken,
Zu seinen Vorhöfen mit loben,
Danket ihm, lobet seinen Namen!"


Unter diesem Wortlaut stand: "Diese Glocke ist umgegossen worden anno 1862 zu Stettin vom Glockengießer Voß".
Auf der anderen Seite stand: "Der Magistrat zu Prenzlau" und "Der Kirchenvorstand in St. Marien", beide mit Namensnennung sämtlicher Mitglieder. Am oberen und unteren Rand hatte die große Glocke ein schönes Fries und oben eine Krone aus Engelsköpfen.

Die Überführung der Glocke von Stettin nach Prenzlau kostete insgesamt 50 Taler. Nach dem Eintreffen der großen Glocke in Prenzlau wurde sie vor dem Hauptportal der St. Marienkirche aufgestellt. Die Weiherede hielt Oberpfarrer Barthol am 15. Juli 1862.

Die Vorgängerin dieser großen Glocke war ähnlich groß, jedoch etwas leichter, stammte aus dem "Grauen Kloster zu Berlin" und wurde 1570 vom Kurfürsten zum Umgießen in eine neue Glocke für die St. Marienkirche zu Prenzlau, geschenkt. Der Ursprung dieser "Klosterglocke" soll bis in die Zeit der märkischen Heidenbekehrung durch Mönche zurückreichen.

Die zum Einschmelzen bestimmte alte Glocke wurde im Nordturm zu St. Marien zerschlagen und die Bruchstücke hinunter geworfen. Der Aufschlag der Teile war jedoch so groß, daß Teile dieser alten Glocke bei Erdarbeiten im Juni 1874 (ein 5 Zentner schweres Stück) sowie in den Jahren 1899 und 1908 wiederholt gefunden wurden.

Die "Apostelglocke" hatte einen äußeren Durchmesser von 1,54 m und war 45 Zentner schwer. Der Klöppel wurde bei Feuergefahr bis ca. 1900 angeschlagen. Ihre Inschrift lautet auf Deutsch: "Sei gegrüßt Maria, du gnadenreiche." Sie ist die eigentliche "Marienglocke"!

Die dritte Glocke hatte die Inschrift: "Maria - ich tröste was lebt, ich beklage was stirbt, ich vertreibe was uns verdirbt." Außer diesen beiden Glocken gab es noch weitere vier in dem selben Raum. Die sogenannte "Halb-zwei-Glocke" mit einem Gewicht von 15 Zentnern wurde genutzt um die Schulkinder zu benachrichtigen "´s ist Zeit, seid bereit". Ursprünglich wurde sie bis 1886 alle 14 Tage Sonnabends zur Beichte sowie zu der im Betsaal im Hohehaus-Hospital in den Wintermonaten gehaltenen Bibelstunden geläutet. Sie hatte auf der einen Seite "Maria mit dem Christuskind" und auf der anderen Seite eine zarte Engelsfigur sowie die Inschrift: "Wachet und betet, 1624".

Von den verbleibenden drei Glocken schlugen zwei die Uhrzeit und die dritte Glocke war stumm. Die große Schlagglocke verkündete die Stunden und die kleine die Viertelstunden. Die Große Schlagglocke hatte nur einige Rosetten mit Figuren und war sonst glatt gehalten. Die kleine Schlagglocke hatte drei schöne Friese mit der Inschrift: "Johann Heinrich Schmidt in Stettin 1725". Die Stumme Glocke hing im Giebel der Kirche auf der Marktseite. Es war die "Armsünderglocke" mit der Inschrift: "Ave Maria Gracia Christi" und hatte einen Durchmesser von 50 cm. Geläutet wurde sie bei Hinrichtungen auf dem Marktplatz auf dem großen Stein am Eingang der Roßstraße. Während der Erneuerung des großen Giebels 1881-1885 wurde sie heruntergenommen.

Ein Teil der Margarethenkapelle diente früher als Friedhofskapelle und ist ein Rest der ersten Marienkirche vor deren fast völligen Abbruch 1325. Etwa um 1330 wurde die kleine Friedhofskapelle durch Anbauten vergrößert. Der östliche Teil wurde die Christophskapelle, die im Mittelalter als selbständige Kapelle und in der Neuzeit als Sakristei diente, der mittlere Teil eine Leichenhalle und der westliche eine Vorhalle.

Diese Vergrößerung erfolgte auf Veranlassung der damals amtierenden Bürgermeister Murmester, Dietrich und Oldrian, Nicolaus . Spätere Umbauten schufen dann den Zustand einer in sich abgeschlossenen Kapelle. Die in der Kapelle befindlichen, sechs Konsolenköpfe sind zum größten Teil Erneuerungen.

Margarethenkapelle

rechts: Christophskapelle

Im Adreßbuch 1935 hat die St. Marienkirche die Haus-Nr.: Klosterstraße 13.


Gewitterschäden an der Marienkirche.

25.3.1546: Um 4 Uhr Morgens schlug der Blitz in den Südturm. Die Spitze brannte bis auf das Mauerwerk ab. Bei dieser Gelegenheit soll auch die Nordturmspitze abgebrannt sein. Ein anderer Bericht verlegt den Brand des Nordturms auf 1638.

1620: Blitzschlag in den Südturm. Der entstandene Brand wurde zeitig gelöscht.

25.7.1625: Wiederum Blitzschlag in den Südturm, jedoch ohne Brandschaden. (Mittags nach 1 Uhr)

17.1.1580: Blitzschlag in den Südturm. Hierbei wurde der Uhrzeiger beschädigt.

5.3.1638: Nachmittags um 2 Uhr. Der Blitz schlug in den Südturm und Seigerdraht. Ein Feuer wurde trotz sofortiger Untersuchung nicht festgestellt. In der folgenden Nacht jedoch fing die Spitze unterhalb des Knopfes an zu brennen. Der Knopf fiel in eins der Häuser der Wittstraße und erschlug beinahe einen schlafenden Gesellen. Die Turmspitze brannte vollständig weg, der Glockenstuhl blieb aber erhalten. Auch zwei von den vier kleinen Nebenspitzen wurden verschont. Neubau 1666.

4.7.1639: Der Blitz schlug in die Orgel, ohne Feuer zu verursachen.

13.7.1669: Blitzschlag in die 1666 neu erbaute Südturmspitze ohne Brandschaden. Durch das herausgerissene Balkenholz wurde das Kirchendach stark beschädigt. Auch durch die Orgel ging der Blitz ohne Feuerschaden.
1735: Nochmals Blitzschlag in die Südturmspitze.

11.6.1921: Der Blitz schlug in den Nordturm. Ein im Giebelgebälk entstehender Brand konnte, ohne großen Schaden anzurichten, bald gelöscht werden.




Während die "St. Marien Kirche", die Nord- und Südvorhalle 1945 ausbrannten, blieben die Margarethenkapelle und Christophskapelle erhalten. Von letzterer fiel erst im Sommer 1955 infolge fehlender Unterhaltung der Dachstuhl zusammen.

nach1945



  • am 24. Mai 1970 unterzeichnen der Generalkonservator des Instituts für Denkmalpflege beim Minister für Kultur der DDR, Dr. Deiters, der Abteilungsleiter "Kultur" beim Rat des Bezirkes Neubrandenburg, Horst Lubos und der Oberkonsistrialrat Hansen vom Kirchenamt Eberswalde einen Vertrag, der den etappenweisen Wiederaufbau von St. Marien vorsieht
  • geplante Fertigstellung ist die 750-Jahrfeier 1984
  • 1971 wird die "Baustelle St. Marien" eingerichtet
  • es beginnt die vollständige Enttrümmerung des Kirchenschiffes und die Einrüstung des Kircheninneren
  • am 7. November 1972 wird mit einem Turmdrehkran begonnen, vorgefertigte und aus verzinkten Stahlprofilträgern bestehenden Dachbinder im Bereich des Kirchenschiffs zu montieren
  • Richtfest für das Dach am 21.12.1972
  • 1973 erfolgt die Eindeckung des Daches mit Kupferplatten (2600m² aus Einzelplatten von 550 x 900mm; Gesamtgewicht ca. 22 Tonnen)
  • 1974 - Fertigstellung der Dacheindeckung und Einrüstung des Ostgiebels
  • Mai 1977 - Einrüstung des Ostgiebels wird nach Fertigstellung der Restaurierungsarbeiten entfernt
  • 13.9.1982 Richtfest für den Dachstuhl des Nordturmes; zum Ende des Jahres wird die Verglasung des Ostgiebels abgeschlossen
  • 1983 Beginn der Restaurierungsarbeiten am Südturm
  • 20.1.1984 Richtfest für den Südturm

2002


Quellen:

Aktualisiert: mb - So 04.11.2012 [11:37:27]
Erstellt: mb - Mi 18.11.2009 [18:18:22]